Die Qualität des bewussten Rückzuges

Bereits zum November-Neumond sind wir eingetreten in die dunkle Jahreshälfte. Der Nebel zieht über das Land. Es wird kalt. Die Tage werden immer kürzer. Dunkelheit und Stille nehmen sich wieder ihren Raum. Der Herbst geht in den Winter über. Das bunte Farbspiel der Herbstblätter weicht langsam einem Grau. Die Tiere haben sich auf die bevorstehende karge Zeit vorbereitet.  Eichhörnchen haben ihre Vorräte für den Winter aufgefüllt und ziehen sich zur Winterruhe zurück. Auch Igel, Dachs und Bär beziehen ihr Winterquartier. Die Vögel sind bereits in wärmere Gefilde aufgebrochen. Es wird still. Die Zeit des Pflanzensammelns ist vorüber. Alles Oberirdische ist vertrocknet und hat jetzt keine Kraft mehr. Sie gehören ab jetzt den Geistern, den Puken und dürfen nicht mehr gesammelt werden. Alles Leben zieht sich nun in den Bauch von Mutter Erde zurück.

Im Keltischen Jahreskreis hat der schwarze Gott Samhain bereits den Sonnenhirsch erlegt und seine Gemahlin, die Vegetationsgöttin in sein unterirdisches Reich entführt, wo sie als Totengöttin Morrigan herrscht. Sie ist die Beschützerin aller schlafender Seelen. Sie behütet die schlafenden Samen, aber auch die Seelen der winterschlafenden Tiere. Hier können sie sich in der Dunkelheit erholen und neue Kraft schöpfen, bis das Lichtkind in der längsten Nacht des Jahres, zur Wintersonnenwende, tief im Bauch von Mutter Erde wiedergeboren wird.

Es ist die Zeit des Rückzuges. Nach all dem Schaffen in der lebendigen, warmen Jahreshälfte, dem Tun, dem Sein im Außen, ist es nun Zeit für Innehalten. Den Blick von außen nach innen zu richten. Wir erleben permanenten medialen Input, in der Sorge, dass wir etwas verpassen. Wir laufen immer weiter in unserem Hamsterrad des Tuns und Schaffens und leben immer weiter in der Energie des Sommers. Doch ist es wichtig, zu erkennen, dass auch wir Teil des natürlichen Zyklus sind. Dem Zyklus von Werden und Vergehen. Dunkelheit und Stille sind vergessene Kraftquellen, die wir brauchen, damit Neues entstehen kann. Um wieder ganz bei uns anzukommen, zu erkennen, wer wir sind, das alte Jahr zu reflektieren und Altes abzustreifen.  Auch wir dürfen uns im Bauch von Mutter Erde erholen, um uns auszuruhen und neue Kraft zu schöpfen. Alles Neue findet in der Dunkelheit seinen Ursprung und wird hier geboren.

Zum Jahreskreisfest Jul möchte ich euch gerne wieder an diese Kraft erinnern. Wir werden gemeinsam in die Dunkelheit und Stille eintauchen, unser Licht, das für das kommende Jahr geboren werden möchte, entzünden und das alte Ritual des Abstreifens erfahren. Gerade in der heutzutage sehr hektischen Zeit um Weihnachten, die geprägt ist von übermäßigem Konsum, blinkenden Lichtern und Stress, dürfen wir uns wieder rückbesinnen auf die ursprüngliche Qualität dieser Zeit.